Händel

Das Largo aus Xerxes, Alla Hornpipe aus der Wassermusik, Der Einzug der Königin von Saba oder Ombra ma fui – die Liste der Welthits von Georg Friedrich Händel ist lang. Wir sprechen hier vom mit Abstand erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit, gefeiert in ganz Europa und schon zu Lebzeiten unsterblich – ein Superstar, die „Lady Gaga des 18. Jahrhunderts“. Der Vergleich ist aber vermutlich schmeichelhaft für Lady Gaga – ob man sie in 300 Jahren noch spielen wird? Notabene: Kein Geringerer als Ludwig van Beethoven soll Händel als den größten Komponisten bezeichnet haben, der je gelebt hat.

Dabei sollte Händel eigentlich Jurist werden und erst mit der Berufung des 17-Jährigen an die Hallenser Domkirche begann seine Musikerkarriere. Zwei Jahre später bereits, im Jahre 1704, brachte er in Hamburg seine erste Oper heraus, aber beinahe hätte er die Uraufführung nicht erlebt. Und das kam so: Im Hamburg lernte Händel schnell Johann Mattheson kennen. Mattheson war eine Mischung aus Multitaltent, Choleriker und Schlawiner – er komponierte, sang, dirigierte und war für seine spitze Feder als Musikschriftsteller gefürchtet. Die beiden kamen gut miteinander aus, so gut, dass sie im Sommer 1703 nach Lübeck fuhren, um dort für die Nachfolge des berühmten Buxtehude an der Marienkirche vorstellig zu werden. Doch als sie sahen, dass eine deutlich ältere, unansehnliche Tochter des Altmeisters Teil der Arbeitsplatzbeschreibung sein sollte, lehnten beide dankend ab (was übrigens auch Johann Sebastian Bach aus gleichem Grunde tat). Man sollte meinen, dass diese gemeinsame Erfahrung die beiden für ein Leben zusammen geschweisst hätte, aber dem war nicht so.

Mattheson hatte einen Schüler Händels namens John Wyche, den Sohn des englischen Gesandten in Hannover, übernommen und damit Händels Einkünfte geschmälert. Daraus wurde ein Streit, der bedrohlich eskalierte, als am 5. Dezember 1704 Matthesons dritte Oper “Cleopatra” in der Hamburger Gänsemarktoper gegeben wurde. Der Komponist höchstpersönlich sang den Antonius, und als der den Bühnentod gestorben war, gedachte er auch die Leitung des Orchesters zu übernehmen. Händel aber, der bis dahin als Maestro al Cembalo die Aufführung vom Cembalo aus geleitet hatte, wich nicht von der Stelle. Ein Wort gab das andere. Händel verpasste dem Rivalen Ohrfeigen, es kam zum Duell, draußen auf der Straße. Fast wäre Händel dabei zu Tode gekommen. Nur ein breiter metallener Rockknopf, der Matthesons Degen beim entscheidenden Stoß zersplittern ließ, rettete ihn (so zumindest die Legende). Übrigens versöhnten sich die Duellanten noch am selben Abend und gemeinsam besuchten sie eine Probe der (ersten) Händel-Oper „Almira”, deren Premiere für den 8. Januar 1705 angesetzt war.

Da hat nicht nur Händel unverschämtes Glück gehabt, sondern wohl auch die gesamte Musikwelt! Denn auf den Rest dieses bemerkenswerten Musikerlebens hätte wohl niemand verzichten mögen. Man mag Händels Wert nur einmal daran bemessen, wie oft und wie viel von ihm geklaut wurde. Wer zum Beispiel die Hymne zu Beginn eines Champion League Spiels geniesst, hört eine verkappte Version der Krönungshymne „Zadok the Priest“ aus dem Jahre 1727…

Händel war, nebenbei bemerkt, nicht nur ein genialer Komponist, auch als Geschäftsmann hatte er großes Talent. In seiner Londoner Zeit stand er eigentlich im Dienste des Königs und bekam von diesem auch ein üppiges Gehalt, doch das reichte ihm nicht. Also ging er seine eigenen Wege. Er ließ Anzeigen in der Zeitung schalten und machte damit Werbung für seine Aufführungen. Die Karten konnte man in seinem Haus in der Brook Street kaufen. Auch Noten zu seinen Werken gab es dort. An den Einnahmen war er natürlich beteiligt. Und weil er das Geld gut anlegte, war bald ein hübsches Vermögen zusammengekommen. Sehr ungewöhnlich für einen Komponisten damals!

Händel erreichte vermutlich den Zenit seiner Popularität im Jahre 1749, als seine Feuerwerksmusik in London uraufgeführt wurde. Damals kam es zum ersten bekannten Verkehrsstau in der Geschichte Englands: 20.000 Menschen verstopften die Straßen – und das bereits bei der Generalprobe!

Händel liebte es zweifellos pompös. Für die Feuerwerksmusik waren neben dem vollen Streichorchester insgesamt 57 Bläser am Werke!

Wie wunderbar anders und geradezu innig ist das Hörerlebnis dieser grandiosen Barockmusik aus den Händen vom Streichquartett Berlin – intim, mitunter geradezu (be)sinnlich, beherrscht und doch voller Emotionen überbordend! Ein wahrer und zeitloser Kunstgenuss!

www.slupinski-live-musik.de/musik/das-streichquartett-aus-berlin/

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