Streichquartett Berlin Blog – Mozart

Mozart

Was kann man über den Liebling der Götter, den vor Inspiration geradezu überquellenden, vielleicht allergrössten Genius der Musikgeschichte noch schreiben, was nicht schon geschrieben wurde? Vielleicht ist es wert, eine Anekdote zu zitieren, die seine Schwester posthum berichtete. Sie verdeutlicht in bestechend-anschaulicher Weise das Wesen dieses Fabelwesens, das zeit seines Lebens in seiner eigenen Welt lebte:

„Mozarts überreiche Phantasie war schon in den Kinderjahren, wo sie in gemeinen Menschen noch schlummert, so wach, so lebhaft, vollendete das, was sie einmal ergriffen hatte, schon so, daß man sich nichts Sonderbareres, und, in gewissem Betracht, Rührenderes denken kann, als die schwärmerischen Schöpfungen derselben, welche, da der kleine Mensch noch so gar wenig von der wirklichen Welt wußte, himmelweit von dieser entfernt waren. Um nur Eins anzuführen: Da die Reisen, welche wir (er und ich, seine Schwester) machten, ihn in unterschiedene Länder führten, so sann er sich, während, daß wir von einem Orte in den andern fuhren, für sich selbst ein Königreich aus, welches er das Königreich Rücken nannte — warum gerade so, weiß ich nicht mehr. Dieses Reich und dessen Einwohner wurden nun mit alle dem begabt, was sie zu guten und fröhlichen Kindern machen konnte. Er war der König von diesem Reiche; und diese Idee haftete so in ihm, wurde von ihm so weit verfolgt, daß unser Bedienter, der ein wenig zeichnen konnte, eine Charte davon machen mußte, wozu er ihm die Namen der Städte, Märkte und Dörfer diktierte.“

Wer sich hier an Michael Jackson, nur um 200 Jahre versetzt, erinnert fühlt, hat möglicherweise den Kern der Sache getroffen! Und möge Salzburg fortan in Neverland (so der Name von Jacksons Ranch) umtaufen…

OK, es gibt Unterschiede zwischen den beiden Lichtgestalten. Michael Jackson hat der Welt Thriller und den Moonwalk geschenkt, Mozart dagegen hat uns so ziemlich in jedem denkbaren Musikgenre so ziemlich das Fantastischste hinterlassen, was man sich denken kann. Mozart wird man spielen, solange es Menschen auf diesem oder sonst einem Planeten im Universum gibt, Michael Jackson dagegen… nun, wir werden sehen!

Mozart konnte es sich sogar leisten, mit seinen Kleinwerken Musikgeschichte zu schreiben. Die kleine Nachtmusik. Fast schon unerträglich formvollendet und in nicht einmal im Ansatz kopierbar! Oder die Divertimenti – dem Namen nach harmlose „Zerstreuungen“. Von wegen! Hier sei nur einmal erwähnt, dass das As-Dur-Adagio aus dem Divertimento KV 563 zu den großartigsten langsamen Sätzen in der der gesamten Kammermusikgeschichte zählt! Alleine dieses Werk beinhaltet zwei der schönsten und anspruchsvollsten Partien für Bratsche und Cello, die jemals geschrieben wurden, wobei Mozart übrigens selbst stets die erstere spielte. Was auch wenig bekannt ist, denn mit Mozart verbindet man gemeinhin ausschliesslich das Klavier…

Das Streichquartett Berlin hat diverse Divertimenti von Wolferl im Programm. Ebenso die Kleine Nachtmusik. Und die vier Damen kehren in gewohnter Manier mit kammermusikalischer Dichte das Beste aus dem Besten vom Besten heraus. Ein unvergleichliches Hörerlebnis!

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