Tango. Ein Lebensgefühl.

Eines der bekanntesten Tango-Zitate besagt: „Man muss die Stille tanzen. Und die Violinen. Auch wenn keine da sind.“ Wohl wahr, auch wenn die Violinen bei den Femmes Quartales sehr wohl präsent sind! Und dennoch: es geht im Tango nicht nur um die Streichinstrumente. Neben den schmachtenden, hinschmelzenden, schmeichelnden, kämpfenden, aufbrausenden Klängen der Violine hat tatsächlich ein urdeutsches Instrument mit seinem unverwechselbaren Klang den Tango erobert und ihn gestaltet: das Bandoneon.

Dieses Instrument, das dem Akkordeon ähnelt, wurde um 1845 im Erzgebirge entwickelt. Namensgeber ist der Musikalienhändler Heinrich Band aus Krefeld. Wer das erste Bandoneon um 1870 nach Buenos Aires brachte, ist unbekannt. Jedenfalls eroberte es schnell seinen Platz in den Cafés und Bordellen von La Boca, dem Hafenviertel von Buenos Aires. Je mehr Immigranten in Buenos Aires ankamen, in den Jahren von 1906 bis 1910 allein 850 000, desto mehr Menschen identifizieren sich mit der Melancholie dieses außergewöhnlichen Klangkörpers.

Das Bandoneon wurde das Instrument des Tango Argentino schlechthin. Was zeigt: der Tango ist eine multikulturelle Angelegenheit. Eduardo Castilla zum Beispiel formulierte die These, nach der das Wort “Tango” aus dem Japanischen stammt und der Tanz von japanischen Einwanderern auf Kuba erfunden wurde!

Wie auch immer – was Anfang des letzten Jahrhunderts in Buenos Aires geschah, hatte es in der Geschichte des Tanzes noch nie gegeben: Der Tanz wurde zum ‘abrazo’, zur Umarmung von Mann und Frau. Tango tanzt man eng umschlungen und hält immer wieder inne, was eine Spannung hervorruft, in der sich Musik und Tanz gegenseitig beeinflussen. Was ‘el abrazo’ für den Tanz bedeutet, ist das Bandoneon für die Musik: Ein Katalysator, der den Tango zu einer Art Lebensgefühl werden lässt: „Es geht nicht um die Schritte sondern darum, was dazwischen passiert.“

Kein Tanz bringt so viele unterschiedliche Menschen und Kulturen zusammen wie Tango Argentino, weder Alter noch Stand oder Status spielen im Tango eine Rolle, denn er ist intensive Kommunikation ohne Worte – „der vertikale Ausdruck einer horizontalen Sehnsucht“. Oder wie Carmen Calderon so schön formulierte: „Der Tango kommt aus den Slums, nicht vom Parkett. Wenn man das nicht mehr sieht oder spürt, dann ist er tot.“ Und deswegen sagt der Tango auch nicht “Liebe mich”, sondern “kämpfe mit mir, oder gegen mich”.

Die Gattung des Streichquartetts scheint  wohl eher dem “Parkett“ anzugehören, doch  im hinreißenden Spiel der Femmes Quartales wird der Tango zum erlebten Lebensgefühl.

www.slupinski-live-musik.de/musik/streichquartett-berlin-femmes-quartales-das-streichquartett-aus-berlin/

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